Verbunden sind Körper und Seele durch das Gemüt, das eine Schnittstelle zwischen der Außenwelt und dem Inneren des Menschen ist. Es ist ein Tor der Sinne, das durch die Affekte beeinflusst wird. Spontane Affekte wie Schrecken, negative wie Zorn oder Gier konnten Krankheitsursachen sein genauso wie übersteigerte positive Gefühlslagen, etwa Liebe und Freude. Die Erhaltung der Gemütsruhe war in der pietistischen Medizin deshalb zentrale Grundlage für die Gesundheit.

Ein gichtkranker Mann genießt sein Festmahl, Aquatinta von G. Hunt, 19. Jahrhundert, Reproduktion. London, Wellcome Collection. Attribution 4.0 International (CC BY 4.0): 10511i

die Kinder, welche studieren, haben wol nöthig um das Gemüth zu ermuntern, sich mit herbatim gehen zu exercieren, die übrigen, so nicht studieren, können im Hofe ihre motion haben

August Hermann Francke

Die Notwendigkeit der körperlichen Bewegung

Im 18. Jahrhundert wurde die »Motion« zum Unterrichtsfach in den Schulen der Glauchaschen Anstalten. In den sogenannten Recreationsstunden sollten die Schüler etwas lernen, während sie sich in sinnvollem Maße bewegten und entspannten. Empfohlen wurden auch nützliche Arbeiten in Bewegung, wie z.B. das Drechseln an der Drechselbank, das ebenfalls Bestandteil des Stundenplans am Pädagogium Regium war.

Sauberkeit war in den von August Hermann Francke begründeten Schulanstalten ein wesentliches Thema, das sich nicht auf die Reinlichkeit der Personen und ihrer Kleidung beschränkte. Ab 1717 wurde über Jahre hinweg ein Versorgungssystem aufgebaut, das frisches Quellwasser in die Anstalten leitete.

Das Wasser wurde aus einem in der Nähe befindlichen Teich (C) genutzt, das mittels einer unterirdischen Röhre in den oberen sogenannten Schwarzen Weg geleitet wurde (heute etwa dort, wo sich das Mehrgenerationenhaus befindet). Die Röhre war mit einem Spund verschlossen, zu dem man über einen Holzkasten (F) gelangen konnte. Wurde der Spund entfernt, ergoss sich das Wasser aus dem Auslass (G) in den Schwarzen Weg. Hierbei wurde das natürliche Ost-West Gefälle der Stiftungen genutzt. Die notwendige Voraussetzung für das Gelingen dieser cleveren Straßenreinigung stellte jedoch die Pflasterung des Wegs dar. Derart ausgebaute Wege waren in der Frühen Neuzeit nicht der Standard, boten jedoch neben der leichteren Reinigung den Vorteil, dass sich Matsch und Fäkalien nicht so einfach ansammelten und dann über die Schuhe in die Gebäude getragen wurden. Die Pflasterung und Reinigung der Wege in den Glauchaschen Anstalten dienten somit der Verbesserung der Hygiene und damit der Vermeidung von Krankheiten.

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Ein »Krancken-Haus« für Kinder

Die neuen Ärzte

Gemütsruhe und Motion

Die Medikamente

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